I
Hier grüßt keiner
beim Betreten des Ladens.
Und auf den Straßen
sieht dir niemand ins Gesicht.
Der alte Mann
hält verblüfft inne,
besinnt sich, was das eben war,
dass die fremde Frau,
die durch die Gasse gebummelt kam,
Grüß Gott gesagt hat.
Und gelächelt.
Ja, sie hat mich gemeint.
Aus der Erinnerung steigt
mit alterssteifen Knien langsam
ein Lächeln empor.
Küss die Hand, gnädige Frau,
klingt dem Schatten nach.
II
4. Bezirk, Seitengasse.
Das ist auch Wien.
Und könnte doch Dresden sein,
Altenburg, Gera. Irgendeine Stadt,
in der man einst reich war
und dann lange nicht,
vielleicht auch
nie mehr
Aber so, genau so
sähe es aus,
würde der nächste Film
über Schubert gedreht.
Nichts wäre zu ändern.
Hier gibt es kein Thermoglas.
Doppelfenster sind
ganz genau das.
Zwei Flügel, die sich
nacheinander öffnen.
Oder auch nicht.
Hinter staubigen Scheiben
gähnt ein leeres Ladenlokal.
Fliesen, Kleider, Tischlerei, eine Beiz
Wir übersiedeln, letzter Tag
15. März. Welches Jahr?
Nur die Hunde
machen
einen geschäftigen Eindruck.
Ungerührt
warten derweil
ihre Besitzer,
mit den Gedanken bei
Austria Wien,
oder vielleicht auch
im Musikvereinssaal.
III
Die schöne Gloria
mit dem jetschwarzen Pagenschnitt
und den perfekten Nägeln.
Heute nacht schläft sie
vielleicht doch
wieder
allein.
Gleich bin ich zurück,
muss nur einchecken, im Hotel,
du verstehst.
Die schöne Gloria
versteht nur zu gut.
Ihre große Hand spielt
mit dem Feuerzeug.
Unter dem Makeup
wächst ein
Fünf-Uhr-Schatten.
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