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Wir waren uns so sicher gewesen. Spaß und Spiel. Keine Beziehung.
Eine Freundschaft, ja, die gewiss, gerne. Sogar eine mit dem gewissen
Extra. Aber eine Beziehung, nein. Die nicht. Spaß und Spiel. Und
der Sex war großartig.
Obwohl wir es beide nicht geglaubt hatten, es uns selbst im Stillen kaum
eingestehen konnten, dass wir es wollten, wie sehr wir es wollten: Es
wurde eine Beziehung. Wir fuhren gemeinsam in die Ferien, gingen ins Theater,
ins Kino, besichtigten, saßen in Restaurants und haderten insgeheim
mit dem Tisch, der sich zwischen uns drängte. Und der Sex war großartig.
Mochten die anderen über die Schwierigkeiten einer Fernbeziehung
stöhnen: Die Altersdifferenz, die abweichenden Lebensumstände,
der so unterschiedliche Erfahrungsschatz uns machte das lachen.
Und der Sex war großartig.
Von Zeit zu Zeit bestätigten wir uns, mit einem Lächeln um die
Lippen, mit einem Funkeln in den Augen, dass alles mit Spaß und
Spiel angefangen hatte. Dass wir von Liebe nicht sprechen würden,
weil wir beide gebrannte Kinder waren. Dass wir es laufen lassen würden,
wohin es wollte. Dass es gut lief, so wie es lief. Und der Sex war großartig.
Eines Tages stand ich vor einem Verkaufsregal voller Plüschherzen
mit Händen. Mir war, als ob sie sich nach dir reckten. In meiner
Wohnung lag eine Tüte mit kleinen bunten Glasherzen. Aus einem verborgeneren
Winkel holte ich ein Metallherz hervor, das leise klang, wenn man es bewegte.
Ich hatte es einer anderen geben wollen. Ihr. Der Ersten, bei der ich
mich nicht für meinen Körper schämte. Sie, die ich begehrt
hatte, ohne sie je gesehen zu haben. Sie, die mich so verletzte, dass
ich lange Zeit glaubte, nie wieder jemand vertrauen zu können. All
diese Herzen lagen bereit, warteten auf dich, ohne dass du es wusstest
oder gefordert hattest. Und ich freute mich auf den Sex mit dir.
Wir hatten so vieles geplant, so vieles verschoben, nichts lief uns weg,
alles wartete nur auf uns. Keine zwölf Stunden später war alles
anders. Ein einziger Satz von dir sorgte dafür. Er wartete auf mich,
als ich den Rechner anstellte, um dir ein paar Zeilen via Internet zu
schicken. Das Foto der Frau in eindeutiger Pose, das meinen Gruß
begleiten sollte, war schon gewählt.
Du wirst nicht sehen, was auf dich wartete, was ich für dich bewahrte.
Gedankenverloren gehe ich durch den Tag. Wenn ich die Hände in die
Hosentaschen schiebe, wie es meine Gewohnheit ist, sieht niemand, dass
ich die Fäuste balle. Ich muss die Finger der Rechten nur ein wenig
strecken, und schon stoßen sie an ein paar kleine, verschrammte
Klumpen. Glas erscheint wie festes Material. Doch es ist eine Flüssigkeit,
zäh und träge. Erst wenn es erkaltet, erstarrt es für lange
Zeit in seiner Form. Ich vermisse dich. Deine Freundschaft. Dein Lächeln.
Deine Ruhe. Deine Fantasie. Die Schwachheit. Die Stärke. Und der
Sex war großartig.
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