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Es war einmal ein Ritter. Damit wäre nun bereits alles gesagt,
man weiß ja, wie die so sind und was sie bei ihren Rittereien so erleben.
Aber einen solchen Vertreter seines Standes stellte unser Ritter Heinrich nun
nicht gerade dar. Sein Vater war Ritter gewesen, seine Großväter, die
Urgroßväter ebenfalls, und so ging es den gesamten Familienstammbaum
entlang. Da war Heinrich eben auch Ritter geworden.
Im Grunde hatte er keinen großen Spaß beim Drachenscheuchen.
Das mochte allerdings auch daran liegen, dass er nicht besonders gut reiten konnte
schon gar nicht, wenn ihn seine 30-Kilo-Prunkrüstung auf den Schultern
und an noch ganz anderen Stellen drückte. Mit seinem Schwert zerlegte er
am liebsten Geburtstagskuchen in großzügig bemessene Stücke. Und
seine Lanze benutzte er nur an Waschtagen, als Pfosten, für die Leine. Das
Häusliche lag ihm eindeutig mehr als diese ganze Ritterei, und wenn er in
der Küche seiner Burg nach Lust und Laune herumwirtschaften konnte, war es
ihm das Schönste.
Die anderen Ritter wussten nicht so recht, was sie von Heinrich
halten sollten. Auf der einen Seite war er natürlich eine Schande für
die gesamte christliche Ritterschaft. Aber seine eingelegten Gurken waren ganz
große Klasse. Und erst die Bratkartoffeln! Oft saßen sie in seiner
Küche beisammen und analysierten bei einem guten Abendessen die neuesten
Turniertabellen. Auf denen tauchte Heinrich natürlich nur selten und ungern
sowie in der Rubrik ferner ritten auf. Es wurden einfach zuwenig Kochduelle
veranstaltet. Bei denen hätte er mit seinen Saucen punkten können, aber
so war für ihn meist in der ersten Runde schon Schluss.
Seine Gewürze bezog Heinrich von einem Kräuterweiblein,
das eine halbe Stunde in den Wald hinein wohnte. Zuerst hatte der Dorfpfarrer
einige Einwände gegen diese Bekanntschaft gehabt, aber nachdem ihn die Kräuterfrau
von seinem ebenso hartnäckigen wie lästigen Reizhusten befreit hatte,
gab es in dieser Hinsicht keine Probleme mehr.
Eines Abends hockten die Ritter wieder einmal in Heinrichs Küche
zusammen. Am nächsten Tag war die Eröffnung des großen Sommerturniers
vor dem königlichen Schloss, da wollten sie sich vorher noch ordentlich Kraft
anfuttern. Es sollte Pizza geben, und alle halfen bei der Zubereitung mit. Der
eine schnitt Pilze, der zweite Salami, ein dritter beschäftigte sich mit
den Peperoni. Alle waren eifrig bei der Sache, nur die beiden Weinholer, die in
den Keller hinabgestiegen waren, kamen und kamen nicht wieder.
Plötzlich sagte der Zwiebelschäler, sie sollten jetzt
alle einmal ihre ritterliche Klappe halten. Er hatte nämlich eine Zeitung
als Unterlage für die Schalen, und da bei einem großzügigen Umgang
mit dem Messer das Zwiebelschälen nun einmal schneller geht als das Zwiebelschneiden,
konnte er zwischendurch immer wieder mal ein bisschen lesen. Nach den Turnierligaberichten
waren die Hofnachrichten dran, die Börsenkurse und schließlich auch
der Drachencomic. Da es eine sehr große Pizza werden sollte, blieb sogar
noch Zeit für die Rubrik Vermischtes. Dort stand etwas, das alle
Ritter anging.
Eine Prinzessin, so hieß es, wollte nun auch Ritter werden.
Der darob von der Redaktion befragte König hatte gemeint, das wäre ja
nun eigentlich doch eher Männersache, und warum sie denn nicht wie andere
Prinzessinnen auch im Rosenhag sitzen und stricken mochte? Den hätte er doch
extra anlegen lassen und die Steuerzahler wären nun sicher ziemlich enttäuscht,
wenn das gar liebliche Ambiente so wenig geschätzt werde. Aber außerdem
sei er auch gar nicht zuständig, das hätten die Ritter zu entscheiden,
wer bei ihnen mitmachen dürfe.
Ein richtiger Vertreter des Standes, der auf seine ritterliche
Ehre und all das hielte, würde sein Schwert doch wohl kaum gegen eine zarte
Prinzessin erheben wollen. Drachen und Hexen, ja, die sicher, aber die Prinzessin
sei doch vermutlich keines von beiden, trotz ihres vielleicht ein wenig, na, sagen
wir mal, unweiblichen Hobbys? Der König hatte auch gesagt, er sähe ja
wohl ein, dass sich die Zeiten trotz seines ausdrücklichen königlichen
Bedauerns zuweilen änderten, und dass er nun nicht altmodisch erscheinen
wolle. Es sei ihm nämlich etwas eingefallen. Eine wahrhaft königliche
Idee sei das, fürwahr.
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