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Es war einmal eine Prinzessin, die hatte sich in den königlichen Schafhirten verliebt und ihn schließlich auch geheiratet. Ihrem Vater, dem König, passte das natürlich ganz und gar nicht.
Er hatte gehofft, dass seine Tochter einmal eine gute Partie machen würde. Einen Kronprinzen gab es schon, um die Thronfolge ging es ihm also nicht, aber das königliche Schloss hatte eine Dachreparatur dringend nötig, und die Heizung funktionierte auch nicht richtig. Natürlich hatten sich viele Bewerber um die Hand der Prinzessin eingefunden gehabt, die Königstochter war nämlich sehr schön, aber irgendwie musste es da ein kleines Missverständnis gegeben haben. Die Anwärter hofften alle, ihrerseits eine gute Partie zu machen, schließlich hatten auch ihre Väter Schlösser. Der König wurde langsam schon etwas ungeduldig, und da er ohnehin zum Jähzorn neigte, war die Sache mit dem Schäfer wohl nicht so ganz das Richtige gewesen.
Natürlich hatte der König seinem Schafhirten sofort gekündigt und die Prinzessin des Hofes verwiesen. Insgeheim bedauerte er das längst, der Schäfer war der Beste seit Jahren in dieser Stelle gewesen, und der König hatte seine Tochter auch lieb. Aber was zuviel war, war einfach zuviel.
Eine solche königliche Reaktion hatten die Prinzessin und der Schafhirte so halb und halb erwartet. Also packten sie ein paar Sachen zusammen und zogen in den Wald. Allzu weit weg wollten sie nicht; zwar rechneten sie nicht damit, dass sich der König schnell beruhigen würde, aber deswegen gleich die Heimat verlassen? Mit dem, was die Prinzessin gelernt hatte, wären die zwei allerdings nicht weit gekommen. Sie konnte gewiss wunderschön sticken, aber einen besonders großen Bedarf für feine Handarbeiten gab es im Wald eigentlich doch nicht. Der Schäfer beherrschte zum Glück die Kunst des Holzschuhmachens, und so konnten die zwei ganz gut leben. Große Ansprüche stellten sie ohnehin nicht, schließlich hatten sie ja einander.
Die anderen Leute im Wald kamen recht gut mit den beiden aus. Dass da nun auf einmal eine Prinzessin unter ihnen weilte, kümmerte sie nicht. So etwas hatte es auch schon früher hin und wieder gegeben. Außerdem ließ die Königstochter sie niemals den Standesunterschied spüren. Sie war die Frau des Holzschuhmachers, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie und ihr Mann wohnten gerne im Wald. Natürlich vermisste der Hirte seine Schafe, aber dass sein Nachfolger gut für die Tiere sorgte, davon hatte er sich vor dem Umzug überzeugt.
Das Holzschuhmachen hatte der ehemalige Schäfer auch schon früher betrieben, besonders natürlich in den Wintermonaten, wenn er nicht mit der Herde von Weide zu Weide zog, und er keine Lust hatte zu stricken. Die Umstellung vom Schnitzer nach Feierabend zum Holzschuhmacher im Hauptberuf fiel ihm nicht allzu schwer. Wenn ihm danach war, konnte er ja immer noch an der frischen Luft arbeiten. Sein alter Hütehund, dem das Schafetreiben schon eine Weile nicht mehr so leicht wie früher gefallen war, sprang dann eben den Holzspänen nach und nicht mehr Hammelbeinen.
Der Prinzessin machte es nichts aus, dass der Schäfer nun keine Herde mehr hatte. Sie hatte sich doch in den Hirten verliebt, nicht in seine Schafe, und womit ihr Mann das Brot verdiente, das sie aßen, war ihr gleich, solange es ein ehrlicher Beruf war.
Wenn er schnitzte, saß sie dabei und bestickte Bänder. Die Stickarbeiten nahm der Imker ebenso wie die Holzschuhe mit, wenn er einmal im Monat in die Stadt auf den Markt fuhr, um seinen Waldhonig zu verkaufen. Die Prinzessin und ihr Mann wären natürlich ganz gerne selbst gefahren, aber sie hatten es ein paar Mal versucht, das Ergebnis war immer das gleiche gewesen. Die Sache mit dem königlichen Zorn hatte sich selbstverständlich herumgesprochen, und so lief das Volk auf dem Markt zusammen um zu schauen, ob die Prinzessin nicht vielleicht doch ein wenig unglücklich dreinschaute, und wie ein Schäfer aussah, für den eine Königstochter ihren Stand vergaß. Damit die Neugier nicht zu sehr auffiel, kramten die Leute natürlich die ganzen Bänder durch und verknitterten sie dabei, und auch die Holzschuhe bekamen ihr Teil an Fingerspuren ab. Verkauft wurde jedoch nicht viel, denn wer sich wirklich für das Angebot interessierte, wurde durch den Andrang dann doch abgeschreckt. Schließlich einigte man sich mit dem Imker: Er übernahm die Sachen auf Kommission, dafür achteten die Prinzessin und ihr Mann ein wenig auf die Bienenstöcke im Wald.
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