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Es war einmal eine alte Spielzeugkiste, die stand ganz hinten auf dem Dachboden eines großen Hauses. Die Kinder, die mit den Sachen aus der Kiste gespielt hatten, waren längst groß geworden und kümmerten sich um andere Dinge, und so hatte das Spielzeug endlich Zeit für sich selbst.
Viele der Spielsachen waren durch den langen Gebrauch rechtschaffen müde geworden, sie waren es ganz zufrieden, nun in der Kiste ausruhen zu können und einander von ihren Taten und Erlebnissen zu berichten. Von Zeit zu Zeit bat man auch eines der Märchenbücher, eine Geschichte zu erzählen.
In der Kiste gab es auch einen Brummkreisel. Wenn man den tanzen ließ, summte und brummte er in den verschiedensten Tönen. Natürlich war jetzt niemand da, der ihn ans Tanzen gebracht hätte, aber die anderen Kistenbewohner erinnerten sich noch genau daran, mit welcher Leichtigkeit der Kreisel durch das Kinderzimmer gewirbelt war und wie viele Töne er dabei gesungen hatte. Durch das viele Drehen war der Kreisel jedoch ein wenig einfältig im Kopf geworden. Zwar wusste der Teddybär, dass in diesem Kopf nie viel drin gewesen war und dass das also nichts ausmachte; er sagte es aber nicht laut, denn in der Kiste hielt man viel auf Sitte und Anstand sowie die Regeln der Höflichkeit. Wie sonst hätte man es auch auf so engem Raum miteinander aushalten können?
Allerdings war der Brummkreisel dazu noch ziemlich eitel. Natürlich hatten die Kinder ihn nicht auf die Straße zum Spielen mitgenommen, dazu war die viel zu holperig, aber dass er sich deswegen gleich als „Herr Kammersänger” anreden ließ, das empfand nicht nur der Teddybär als ein reichlich starkes Stück. Die Puppen in der Kiste liebten den Brummkreisel jedoch um so mehr, soweit sie nicht in den Leutnant der Zinnsoldaten verschossen waren.
Der Leutnant und der Kreisel standen nicht auf bestem Fuße miteinander, aber schließlich war einer vom Ballett, der auch noch als Sänger auftrat, nicht gerade der angemessenste Umgang für einen Offizier des königlichen Leibregimentes. Doch da die Umstände nun einmal so waren
Auch der Kreisel hatte seine Vorbehalte. War nicht der Leutnant einer der Jüngsten in der Kiste? Da half es auch nicht viel, dass er schon ein paar Mal mit der Eisenbahn gefahren war.
Es gab einen ganz bestimmten Grund, warum der Brummkreisel und der Zinnleutnant nicht so gute Freunde waren. Beide hatten sich in dieselbe Prinzessin verliebt. Diese war nicht nur schön und anmutig, sondern auch sehr reich. Sie wohnte in einer eigenen, mit rotem Samt ausgeschlagenen Schatulle. Rechts und links von ihrem Zimmer befanden sich Schatzsäle mit Ringen und Spangen, Armbändern, Broschen, Anhängern und Ketten. Wenn die Schatulle geöffnet wurde, erklang ein Glockenspiel, die Prinzessin erhob sich und tanzte vor Freude über den Besuch.
Es war nicht verwunderlich, dass Kreisel und Leutnant sich beide für den passenden Bewerber um die Hand der Prinzessin hielten. Der Kreisel konnte ebenso unermüdlich tanzen wie die Prinzessin, und da sie ein eigenes Glockenspiel besaß, musste sie wohl die Musik mindestens so lieben wie er. Na, und als Kammersänger war er schließlich nicht irgend jemand.
Dem Leutnant waren die Bemühungen des Kreisels gar nicht recht. Glockenspiel hin, Kammersänger her, einer vom Ballett konnte wohl kaum eine standesgemäße Partie für die Prinzessin sein. Da war er als Leutnant des königlichen Leibregimentes doch ein viel angemessenerer Bewerber. Ein Offizier war wenigstens von Adel. Zwar konnte der Leutnant nicht tanzen, er war sogar recht steif, aber das war eine Eigenart seiner alten Familie, derer vom Zinne. Und zumindest war er auch schon ein paar Mal mit der Eisenbahn gefahren.
Der Leutnant suchte Rat beim Teddybären. Der war der älteste von allen, er würde wohl am ehesten wissen, wie die Sache anzufangen sei. Der Bär konnte ihm allerdings nicht viel Hoffnung machen. Gewiss, ein treues Soldatenherz, das war schon etwas, und von Adel zu sein, sicher auch. Aber was nützte das? Der Leutnant sollte doch einmal darüber nachdenken, womit sich die Prinzessin so den ganzen Tag beschäftigte. Wäre da Platz für ihn? Natürlich, in die Schatulle passte er wohl besser als der Brummkreisel, aber ins Leben der Prinzessin?
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