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Sie hat uns, ihren Kindern, Pullover und Socken und auch das eine oder andere Kuscheltier gestrickt.
An Mützen oder Schals erinnere ich mich nicht, aber sehr gut daran, was geschah, wenn wir wieder ein Stück gewachsen waren.
Für uns gab es das nicht, dass einfach ein Streifen an die Ärmel und den Pulloversaum angestrickt wurde.
Keine Hochwassermarken archivierten das Fortschreiten der Zeit.
Wenn es soweit war, wurden die Pullover wieder aufgetrennt, die Wolle der Ärmel, des Torsos, der Bündchen, des Saumes und des Kragens sorgfältig aus den Maschen gezogen und um ein Tablett gewickelt, über das meine Mutter vorher ein Handtuch gespannt hatte.
Die angefeuchtete Wolle verlor so ihre Wellen, die letzten Erinnerungen an die in Maschen gezwungene Form.
Waren die Fäden trocken und glatt, wurden sie wieder zu Knäueln gerollt, um irgendwann wieder als Pullover zu erstehen, in der passenden Größe, in den gewünschten Farben, mit neuem Muster.
Als wir Kinder älter wurden, wollten wir keine Pullover mehr.
Die kratzten, waren nicht schick, sahen irgendwie anders aus.
Erst später merkten wir, dass ein selbstgestrickter Pullover etwas Besonderes war, gaben Bestellungen auf, die gerne erfüllt wurden.
So trug ich eine Zeitlang einen Pullunder, den Piet Mondrian persönlich entworfen haben könnte.
Eine andere Herausforderung war der Pullover mit dem eingestrickten Band von der rechten Schulter zur linken Hüfte.
Meine Mutter wollte kein Treppenmuster über die einzelnen Reihen legen.
Sie löste das Problem auf sehr überzeugende Weise: Sie strickte den ganzen Pullover schräg, begann rechts unten und hörte an der linken Schulter auf.
Als sie mir einen grauen Janker schenkte, entdeckte ich, dass er aus dünnstem Strumpfgarn bestand.
Damit die Jacke auch wärmte, hatte meine Mutter den Faden doppelt genommen.
Und mein Teddybär, der mich immer noch begleitet, erhielt die gleiche Jacke, ihm auf den Leib gestrickt.
Wir gingen im Partnerlook: Aus einem der abgeschnittenen Reste meiner Lederhose nähte meine Mutter schnell noch Beinkleider für den Bären.
Irgendwann entdeckte ich den Reiz wollener Socken und meine Mutter war gerne bereit, das, was auf den Pfarrbasaren nicht zu bekommen war, herzustellen.
Oft lag auf dem weihnachtlichen Gabentisch ein Paar schwarzer Strümpfe, weich, warm, handgestrickt.
Ich gestehe, ich ging nicht sorgfältig mit diesen Gaben um, trug sie, wie man eben Socken und Strümpfe trägt, wusste nicht zu schätzen, was sonst niemand hatte.
Und eines Tages war es vorbei.
Meine Mutter legte Manschetten um die schwach gewordenen Handgelenke, um wenigstens den normalen Alltag zu bestehen.
An Stricken war nicht mehr zu denken.
Ihre Augen hatten schon lange vorher gemeldet, dass dünnes, schwarzes Garn nicht das ist, was sich im Schein der Wohnzimmerlampe am leichtesten verarbeiten lässt.
Jetzt weiß ich, warum die Handarbeitsstände auf Pfarrbasaren und Weihnachtsmärkten so wenig schwarze Strümpfe anbieten können.
Wer, wenn nicht Frauen mit sehr viel Zeit, strickt schon noch Socken?
Wer soviel Zeit hat, hat selten noch gute Augen.
Ich habe die Kunst nie gelernt, scheitere regelmäßig am schlichten Beginn, muss mir, wenn ich einen Schal stricken will, zeigen lassen, wie man die Maschen auf die Nadel nimmt, oder am Besten, die erste Reihe stricken lassen.
Es ist über zehn Jahre her, dass ich zum letzten Mal strickte.
Handarbeit ist nicht meine Domäne.
Längst bin ich den Pullovern, Pullundern und Jacken, die mir meine Mutter strickte, entwachsen.
Manchmal träume ich davon, eine Wunderdiät zu finden, die mir die Dinge wieder tragbar machen.
Ich weiß, dass das wohl niemals der Fall sein wird.
Aber ich hüte die letzten drei Exemplare aus der Strickwerkstatt meiner Mutter gut: Der Mondrian-Pullunder, der Pullover mit dem Band und den Strickjanker.
Und auch mein Teddy gibt seine Jacke bestimmt nicht mehr her.
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