I.
„Verehrte Damen, geehrte Herren, geschätzte polysexuelle Entitäten: Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.”
Ischo-e Sssoba, trotz seiner Jugend bereits eine weit über die Galaxis hinaus geschätzte Autorität als Xenopsychologe verbeugte sich. Er spürte, wie seine oberen Greiftentakel zitterten. Dieses verfluchte Lampenfieber. Um äußerliche Gelassenheit bemüht, blickten seine beiden Augenpaare auf die wohl gefüllten Reihen im Plenarsaal des Großen Rates.
Totenstille. Verdammt. Er hatte sich so sicher gefühlt bei der Ausarbeitung. Seine Theorie war neu, gewagt, ungewöhnlich. Und doch ließ sie eine gewisse Eleganz nicht leugnen. Warum regte sich nur niemand? Wie lange dauerte das schon?
Die überdimensionierte Sanduhr auf dem Rednerpult war mit terranischen Diamanten gefüllt. Soeben fiel mit leisem Klicken der letzte der jeweils etwa einen galaktischen Standard-Krick langen Steine. Und nun brach es endlich los: Brüllendes Gelächter quer über die ganze Hörfrequenz erfüllte den Saal. Ja! Endlich!
Es dauerte mindestens drei galaktische Standard-Zeiteinheiten, bis sich das Auditorium wieder beruhigt hatte. Selbst aus den Methantanks, in denen die Vertreter der Argelanischen Föderation ihren Beobachterstatus wahrnahmen, war rhythmisches Gurgeln zu vernehmen gewesen. Kein Zweifel! Ischo-e Sssoba hatte es geschafft. Die Wissenschafselite dreier Sonnensysteme hielt sich vor Lachen kollektiv die Bäuche oder das, was ihre spzifische Anatomie als solche vorsah.
Hegglaa, Alterspräsident des Wissenschaftsrates, blies schließlich in die Signalflöte der bocksfüßigen Bewohner des Pan-Systems. Langsam kehrte Ruhe ein. Die Translatoren hatten keine Mühe seine leicht meckernd klingende Ansprache in die intergalaktische Standardsprache sowie 109 andere und Kommunikationssysteme zu übertragen.
„Verehrte Damen, geehrte Herren, geschätzte polysexuelle Entitäten: Kommen wir nun zur Abstimmung darüber, wessen Theorie dem Praxistest zugeführt werden soll. Ich bitte zunächst um das Lichtzeichen derer, die sich enthalten wollen.”
Ischo-e Sssoba sah sich um. Nur eine Greiftentakelvoll Lampen glühten weiss auf. Das musste nicht viel bedeuten. Enthaltungen wurden seit weit über hundert Periodenzeiten aus der eigentlichen Entscheidung ausgeklammert.
„Danke. In der letzten Runde standen drei Vorschläge. Ich nenne sie in der ausgelosten Reihenfolge. Wer ist für den Beitrag des geschätzten Kollegen tsuu-Glaych?”
Hastig versuchte Ischo-e Sssoba, die roten Lämpchen zu zählen und verhaspelte sich prompt. Schon klang wieder die Stimme des Alterspräsidenten auf.
„Danke. Kommen wir zur zweiten Nennung, der Vorschlag der geschätzten Kollegin Schpi Nnstga.” Diesmal leuchteten schon mehr Lampen auf, in einem leuchtenden Blau. Ischo-e Sssoba gab den Versuch zu zählen auf.
„Danke. Der dritte Beitrag stammt vom geschätzten Kollegen
” Noch ehe Hegglaa seinen Satz beendet hatte, glühte ein grünes Lichtermeer auf. Geblendet schloss Ischo-e Sssoba die Augen. Gewiss, er hatte mit Zustimmung gerechnet, sogar auf einen Erfolg gehofft, aber diese Abstimmung musste erst einmal verkraftet werden.
„Verehrte Damen, geehrte Herren, geschätzte polysexuelle Entitäten: Ich danke für ihre Abstimmung. Das Ergebnis steht damit fest. Der Große Rat beschlossen, in dieser Wissenschaftsperiode
”
hier geht es weiter
|