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Was soll das eigentlich heißen: „Zufällig sexuell deviant”? Zufällig finde ich einen freien Parkplatz, zufällig bleibt der reservierte Sitz gegenüber im Großraumabteil frei, so dass ich Platz habe, zufällig ist der Bus pünktlich und und und. Aber zufällig sexuell deviant? Ich muss doch sehr bitten.
Eine gewisse Grundtendenz, gut, die mag ich wohl zugestehen. Ansonsten: Nix da mit „Guess and go” oder wie die aktuelle Umschreibung von „Schaunmermaldannsehnmerscho” lauten mag. Ich will so sein, wie ich mich definiere, nicht, wie ich zufällig bin, und ich es akzeptiere, weil ich es ohnehin nicht ändern kann. Akzeptiere? Allenfalls wäre da ein „tolerieren” angebracht. Und dem ist eben nicht so. Soll ich etwa streng wissenschaftliche Feldversuche nachweisen, und welcher Mann wird sich freuen, wenn ich ihn in die Reihe „Placebo” einordne? Eben. Wenn Langeweile zu Recht bei den Sieben Todsünden einsortiert wird, muss es auch nicht nötig sein, nach Jahren engagierten Forschens zur Erkenntnis zu gelangen, dass ja, es langweilt tatsächlich. Muss ich Eier legen können, um zu wissen, ob eines faul ist?
Es mag für den einen oder anderen „homo nondum sapiens sapiens” überraschend sein, aber tatsächlich gibt es Frauen, die nicht nur „keinen abgekriegt” haben, sondern sich dieses Fakts in dankbarem Glücksgefühl bewusst sind. Jawoll, meine Herrn, so haben wir es gern. Und nichts wird das ändern, schon gar nicht etwas, das durchschnittlich noch nicht einmal die Länge einer Standardpackung Toblerone erreicht.
Gewiss, die einschlägigen Gerätschaften die es da zur Bespaßung und Bespielung im mehr oder minder gut sortierten Fachhandel gibt, sehen auch nicht besser aus, haben zumeist Farben, die das Auge beleidigen und zum Thema Geschmack ist an dieser Stelle nur anzumerken, dass ebendieses ein vermeidbares sein möge. Natürlich hat ein lebendiger Mensch Vorteile vor in taiwanesischer Heimproduktion gefertigter Massenware, das ist und bleibt unbestritten nicht nur, wenn es an das leidige Sammeln von Altbatterien geht. Aber wenn das alles nun die Krone der Schöpfung sein soll, wieso dann überhaupt Fortschritt, Erfindergeist und industrieller Anbau von Schlangengurken? Vor allen letztere sind so manchem heterosexuellen Vergnügen vorzuziehen: Es ist und bleibt ein Mythos, dass die segensreichen Qualitäten einer entspannenden Gurkenmaske durch körpereigene Substanzen erreicht werden können vor allen Dingen, wenn es sich um fremdkörpereigene handelt.
Was also ist es, dass zur Rechtfertigung selbst in zielgruppenorientierten Damenkränzchen zu zwingen scheint? Wenn der Konsens ein allgemeiner ist, warum dann Zeit und Energie verschwenden in Definitionen? Für Hühner mag es wichtig sein, nach Erkennen des Alpha-Tiers die Hackordnung bis ins letzte Glied zu bestimmen. So manche Versammlung im traulichen Betroffenkreis hat zuweilen Ähnlichkeiten mit dem Hühnerhof nicht nur bei Körnerfressers. Jedoch, wenn wir schon einmal dabei sind: bis ins letzte Glied? Selbst wenn das oder auch nur ein Glied das Allerletzte ist, an das die aufrechte sexuell Deviante an sich offiziell zu denken bereit ist, geschweige sich damit zu beschäftigen
Also. Die Frage, ob sexuelle Devianz nun ein Zufall, eine genetische oder lediglich neurologisch fundierte Aberratio oder eine bewusste Willensentscheidung ist, mag ihre Berechtigung durchaus haben. Es ist auch interessant zu wissen, warum ein Butterbrot immer auf die bestrichene Seite fällt, es so schwierig ist, eine perfekte Scheibe Toast zu produzieren und sie dann auch noch im warmen Zustand zu verzehren
notabene, die Toastscheibe sei in diesem Falle das, was warm zu sein habe.
Bevor ich mich eventuell dazu bereit finden könnte, mich selbst als „zufällig sexuell deviant” zu definieren, bitte ich ohnehin erst einmal um klare Begriffsparameter. Wie definieren Sie Zufall? Ist es alles, das wir nicht erklären können? Oder ist es die ausnahmsweise etwas knappere deutsche Übersetzung des Fachausdrucks von der normativen Kraft des Faktischen? Was der Zufall auch sein mag: ich bin es nicht. Mit Sicherheit. Oder wenn, dann wäre es schon ein sehr großer.
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